Independent comparison site — not affiliated with or endorsed by RIMOWA/LVMH

Zum Inhalt springen
Unterstützen wird in einem neuen Tab geöffnet
Aus dem Archiv · Architektur
RIMOWA

Haus Sonneveld zeigt den farbigen Alltag des Funktionalismus

Das Rotterdamer Haus von 1933 kombiniert einen flexiblen Stahlbau mit Zinnoberrot, Kornblumenblau, Kanariengelb und damals außergewöhnlicher Haustechnik.

Kurzantwort

Albertus Sonneveld, Direktor der Van-Nelle-Fabrik, beauftragte Brinkman und Van der Vlugt 1929; 1933 bezog seine Familie das fertige Rotterdamer Haus. Stahlgerüst, freier Grundriss und hygienische Oberflächen stehen für das Nieuwe Bouwen, doch das erhaltene Interieur ist keineswegs weiß: Zinnoberrot, Kornblumenblau und Kanariengelb treffen auf Gispen-Stahlrohrmöbel und fortschrittliche Haustechnik. Es ist Funktionalismus als wohlhabender Alltag, nicht als steriler Minimalismus.

Brinkman und Van der Vlugt entwarfen Haus und Interieur von 1929 bis 1933 im Austausch mit der Familie Sonneveld.
Gispen-Möbel und Stoffe von Metz & Co prägen die konsequent koordinierte Ausstattung.
Die Palette verbindet Zinnoberrot, Kornblumenblau und Kanariengelb mit Grau- und Brauntönen.
Das Nationaldenkmal öffnete 2001 nach einer Rekonstruktion in Richtung seines Zustands von 1933 als Museumshaus.
01Eine moderne Familie

Das Haus entwarf eine ganze Lebensweise

Albertus Sonneveld kannte den Modernismus von Brinkman und Van der Vlugt aus der Van-Nelle-Fabrik, deren drei Direktoren er angehörte. Beim 1929 beauftragten Wohnhaus dehnten die Architekten diese Logik auf Essen, Baden, Schlafen, Lagern und Bedienen aus. Stahlgerüst und Betondecken machten tragende Innenwände entbehrlich; so entstanden ein freierer Grundriss und lange Fenster statt einer Folge dunkler Kammern.

Zugleich war das Haus eine Demonstration beträchtlichen Wohlstands. Ein Bad mit Wanne, Dusche, beheiztem Handtuchhalter und mehreren Armaturen war außergewöhnlich, als vielen niederländischen Haushalten selbst eine Dusche fehlte. Indirektes Licht, Radios, Sprechrohre und arbeitssparende Geräte versprachen Effizienz, beseitigten Hausarbeit aber nicht. Dienstwege und Nebenräume zeigen, wer die helle, hygienische Umgebung pflegte. Dieser Funktionalismus war gesellschaftlich spezifisch, nicht automatisch egalitär.

  • Auftraggeber: Albertus Sonneveld, Direktor der Van-Nelle-Fabrik
  • Von der Familie bewohnt: 1933–1955
02Gegen den Mythos der weißen Kiste

Zinnoberrot und Kornblumenblau erfüllen eine Funktion

Das Nieuwe Instituut dokumentiert warmes Zinnoberrot, Kornblumenblau und Kanariengelb neben Hellgrau, Dunkelgrau und Braun. Die Stoffe kamen von Metz & Co, darunter Farbstellungen im Umfeld Bart van der Lecks; Stahlrohrmöbel von Gispen kehren durch das gesamte Haus wieder. Farbe kennzeichnet Zonen, verändert das optische Gewicht von Flächen und wärmt Werkstoffe, die man eher aus Büros oder Kliniken kannte. Das Interieur ist koordiniert, nicht monochrom.

Selbst die zentrale Treppe handelt Material und Gebrauch gemeinsam aus: In schwarzen Marmor eingelassene Gummistreifen dämpfen Schritte, während sie sich durch das Gebäude windet. Türkise Fliesen unterscheiden das gemeinsame Bad der Töchter, glattes Linoleum erleichtert andernorts die Reinigung. Solche Entscheidungen erklären Funktionalismus besser als die Fassade allein. Hygiene hatte Oberfläche, Farbe und Klang – sie war mehr als ein Schlagwort für Licht und Luft.

  • Möbel überwiegend von Gispen, Textilien von Metz & Co
  • Farbe gliedert die Nutzung der Räume, statt bloß Dekor zu sein
03Urteil zum Museumshaus

Die Rekonstruktion ist ein Beleg, kein eingefrorenes Original

Haus Sonneveld wurde auf den Zustand von 1933 hin restauriert und neu eingerichtet und 2001 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Erbstücke der Familie stehen neben erworbenen und geliehenen historischen Objekten, bis hin zu Glas. Diese kuratorische Geschichte gehört zu jeder Behauptung, das Interieur sei vollständig intakt. Die Architektur ist außergewöhnlich gut erhalten; das Museumserlebnis bleibt eine erforschte, im Lauf der Zeit ergänzte Rekonstruktion.

Unser Urteil: Haus Sonneveld gehört zu den stärksten Architekturthemen der Reihe, weil sein Betreiber detaillierte Forschung veröffentlicht, die bequeme Kampagnenbilder korrigiert. Achten Sie ebenso auf Dienstsysteme, geschlechtsspezifisch gedachte Möbel, Badezimmer und Treppe wie auf den offenen Grundriss. Aktuelle Tickets verantwortet das Nieuwe Instituut, nicht RIMOWAs Beitrag von Dezember 2024. Das Haus zeigt, wie tief die Moderne in Routinen eingriff – luxuriös, arbeitsabhängig und leuchtend bunt.

  • Stärkstes Detail: die akustische Gestaltung der Treppe aus Marmor und Gummi
  • Wichtiger Vorbehalt: Das Museumsinterieur vereint originale, erworbene und geliehene Stücke

Häufig gestellte Fragen

Wer entwarf Haus Sonneveld?
Die Rotterdamer Architekten Brinkman und Van der Vlugt planten Architektur und Interieur im Austausch mit der Familie Sonneveld und Herstellern wie Gispen.
Wann wurde Haus Sonneveld gebaut?
Der Auftrag wurde 1929 erteilt; 1933 zog die Familie in das fertiggestellte Haus ein.
Kann man Haus Sonneveld besichtigen?
Ja. Das Nieuwe Instituut betreibt es als Museumshaus; aktuelle Öffnungszeiten und Tickets stehen auf dessen Besucherseite.

Nutze vor dem Kauf die Live-Vergleichstools, da Preise, Bestand, Wechselkurse, Airline-Regeln, MwSt.-Rückerstattung und offizielle Richtlinien sich ändern können.