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Aus dem Archiv · Designpreis
RIMOWA

RO erhielt 20.000 Euro für ein Angst-Wearable, nicht für einen Therapiebeweis

Janne Kreimers aufblasbare Druckweste gewann die zweite Ausgabe; Daniela Lindenbergas tragbares Sicherheits- und Aufnahmegerät erhielt 10.000 Euro.

Kurzantwort

Janne Kreimer von der Hochschule Anhalt gewann den mit 20.000 Euro dotierten RIMOWA Design Prize 2024 mit RO, einer körpergescannten Weste, deren aufblasbare Soft-Robotik-Elemente einstellbaren Tiefendruck und individuell positionierte Akupressur ermöglichen sollen. Daniela Lindenberga von der SRH Berlin erhielt die Anerkennung über 10.000 Euro für IXO, ein tragbares Kamera-, Licht-, Mikrofon-, Lautsprecher- und GPS-Konzept gegen Belästigung im öffentlichen Raum. Beides waren ernsthafte Studienprojekte, aber weder bestätigte Behandlung noch garantierter Personenschutz.

RO gewann 20.000 Euro; Kreimer entwickelte das Projekt mit Mentor Andreas Murkudis.
IXO erhielt 10.000 Euro; Lindenberga arbeitete mit Mentor Sebastian Herkner.
Die übrigen fünf Finalistenteams erhielten nach der Zeremonie am 29. April 2024 jeweils 5.000 Euro.
Der Preis bewertete Designentwicklung, nicht klinische Wirksamkeit, Datenschutzkonformität oder Leistungsfähigkeit in Notfällen.
01Die Siegerweste

Individuell einstellbarer Druck ist ROs eigentliche Designleistung

RO nutzt einen Körperscan, um aufblasbare weiche Elemente auf die jeweilige Person auszurichten, und erkennt damit an, dass ein starres Muster nicht zu jedem Körper passt. Nutzer sollen die Intensität regeln und die weiche Weste so in eine kontrollierte Druckschnittstelle verwandeln. Diese Aufmerksamkeit für Passform unterscheidet Janne Kreimers Projekt vom vagen Versprechen eines Wohlfühlkleidungsstücks. Hochschule Anhalt und Mentor Andreas Murkudis gehören zur veröffentlichten Projektgeschichte.

Die Begleitsprache geht weiter und behauptet, Tiefendruck und Akupressur aktivierten das parasympathische Nervensystem, um Angst zu lindern. Eine Preisjury kann würdigen, wie ein Objekt Panik adressiert, ohne Behandlungswirksamkeit festzustellen. Die Unterlagen nennen weder klinische Studie noch Analyse unerwünschter Wirkungen oder Medizinproduktstatus für RO. Die 20.000 Euro sollten die nächste Belegstufe finanzieren, nicht nachträglich selbst als Beweis gelten.

  • Siegerin: Janne Kreimer, Hochschule Anhalt
  • Mentor und Preisgeld: Andreas Murkudis, 20.000 Euro
02Die besondere Anerkennung

Ein Aufnahmegerät kann Risiko verändern, nicht beseitigen

Daniela Lindenbergas IXO verbindet Taschenlampe, Kamera, Mikrofon, Lautsprecher und GPS als tragbare Antwort auf Belästigung und hassmotivierte Gewalt im öffentlichen Raum. Die Stärke liegt in der Unmittelbarkeit: Eine Person muss kein Telefon entsperren und ausrichten, bevor sie eine Szene beleuchtet, eine Interaktion aufzeichnet oder Aufmerksamkeit erzeugt. Das Projekt entstand an der SRH Berlin University of Applied Sciences mit Mentor Sebastian Herkner.

Kameras können Begegnungen jedoch eskalieren, bei Dunkelheit versagen, Unbeteiligte erfassen und sensible Standort- oder Audiodaten erzeugen. Automatische Speicherung auf einem Telefon garantiert weder zulässige Beweise noch eine Reaktion der Polizei; Aufnahmegesetze unterscheiden sich. Die Anerkennung über 10.000 Euro honoriert eine klare Problemdefinition. Seriöse Sicherheitsberichterstattung darf dennoch nicht behaupten, IXO verhindere Übergriffe oder sichere Rechenschaft.

  • Anerkennung: Daniela Lindenberga, SRH Berlin
  • Werkzeuge: Licht, Kamera, Mikrofon, Lautsprecher und GPS
03Das Ergebnis 2024

Mobilität wird zur Freiheit, in Bewegung zu bleiben

Sieben Finalistenteams präsentierten am 29. April in der Berliner James-Simon-Galerie. Wallpaper dokumentiert unabhängig 20.000 Euro für Platz eins, 10.000 Euro für die Anerkennung und je 5.000 Euro für die übrigen Finalisten. Geld, Arbeitsraum und Mentoring sind vermutlich folgenreicher als die Zeremonie, denn beide ausgezeichneten Objekte brauchen Erprobung mit Menschen, die Angst, Behinderung oder Belästigung erleben – nicht nur Verfeinerung vor einer Jury.

Unser Urteil: RO war als Industriedesignsystem weiter ausgearbeitet, IXO benannte das schärfere politische Problem. Keines darf mit uneingeschränkten Behauptungen über Körper oder Kriminalität beworben werden. Am stärksten war der Preis dort, wo Mobilität das Vertrauen bedeutete, das Haus zu verlassen und öffentlichen Raum einzunehmen. Seine künftige Glaubwürdigkeit hängt davon ab, ob die Konzepte nach dem Applaus auf Nutzer, Tests und Regulierung treffen.

  • Am weitesten ausgearbeitet: ROs verstellbare, körperspezifische Druckanordnung
  • Schwierigste offene Frage: ob eines der Wearables reale Ergebnisse verbessert

Häufig gestellte Fragen

Wer gewann den RIMOWA Design Prize 2024?
Janne Kreimer von der Hochschule Anhalt gewann mit RO, einem Konzept für eine verstellbare Druckweste gegen Angstzustände.
Was war IXO?
Daniela Lindenbergas ausgezeichnetes Projekt war ein tragbares Licht-, Kamera-, Mikrofon-, Lautsprecher- und GPS-Konzept für Belästigungssituationen im öffentlichen Raum.
Wurden RO und IXO als fertige Produkte verkauft?
Der Preisbeleg nennt weder Verkaufsstart noch bestätigte Behandlungs- oder Schutzwirkung; es waren studentische Designkonzepte.

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