Ryan McGinley macht Der Eigene Ausgabe fünf zum kollektiven Porträt
Die fünfte zeitgenössische Ausgabe funktioniert dann, wenn McGinleys fünfzehn Beteiligte Autoren bleiben und nicht Kulisse einer Pride-Kampagne werden.
Kurzantwort
Die fünfte neu beauftragte Ausgabe von Der Eigene überzeugt als Gruppenporträt, nicht als Ryan-McGinley-Monografie. Fünfzehn Mitwirkende aus dem New Yorker Umfeld des Fotografen verbinden Porträts und Sofortbilder mit eigenen Texten. RIMOWA ließ 500 kostenlose Exemplare herstellen. Historisch entscheidend ist die Trennung: Das Projekt von 2026 entleiht den Namen der radikalen, von Adolf Brand zwischen 1896 und 1932 publizierten Zeitschrift; es setzt diese Institution nicht fort.
Eine Gemeinschaft wird genannt, nicht als Szenerie benutzt
McGinleys Besetzung ist für Markenpublizistik ungewöhnlich genau: Bobby Brown, Charles Caesar, Ross Collab, Max Donahue, Ceyenne Doroshow, Tevin Evans, Marc Hundley, Terence Ingram und Tasheem Ingram-Dantzler, Jari Jones, Adarni Karina, Simone Niamani, Luisa Opalesky, Stuart Perkins, Ash Rucker und Maxwell Vice. Formale Porträts stehen neben Sofortbildern und persönlichen Texten; damit liegt Autorität nicht allein beim Kampagnenfotografen.
Diese redaktionelle Wahl zählt. McGinley fotografiert seit Jahrzehnten queere Jugend und gewählte Gemeinschaften, doch die Ausgabe wird erst stark, wenn die Stimmen der Porträtierten jede bequeme Vorstellung einer einzigen New Yorker Szene unterbrechen. Sein Vorwort setzt den Blickwinkel. Die fünfzehn Beiträge verhindern, dass Pride zu einem Erinnerungsobjekt eines prominenten Fotografen schrumpft.
- Fünfzehn Beiträge verbinden Fotografien mit Texten aus der ersten Person.
- Terence Ingram und Tasheem Ingram-Dantzler erscheinen als gemeinsamer Beitrag.
Der geliehene Titel trägt politisches Gewicht
Adolf Brand gründete Der Eigene 1896 in Berlin. Archive beschreiben die Zeitschrift als erstes Periodikum, das sich offen an homosexuelle Leser richtete; frühe Politik, Sprache und männerzentrierte Weltsicht gehören dennoch zu einer anderen historischen Bewegung. Brand veröffentlichte sie bis 1932. Nationalsozialistische Verfolgung und Beschlagnahme zerstörten danach die Bedingungen einer Fortsetzung.
RIMOWAs Reihe begann neunzig Jahre später, 2022. Wiederbelebung kann die Inspiration beschreiben, darf beide Publikationen aber nicht zu einer durchgehenden Institution verschmelzen. Die heutigen Ausgaben sind beauftragte Kulturprojekte eines Luxusunternehmens. Das Original war ein gefährdetes politisches, literarisches und künstlerisches Unternehmen unter strafrechtlicher Verfolgung.
- Historische Laufzeit: Berlin 1896–1932, herausgegeben von Adolf Brand.
- RIMOWAs separat beauftragte Publikationsreihe begann im Jahr 2022.
Knappheit ist daran das Uninteressanteste
Ab 26. Juni 2026 wurden 500 kostenlose Exemplare bei Andreas Murkudis in Berlin, BookMarc in New York, Climax Books in London und Yvon Lambert in Paris angekündigt. Diese kleine Verteilung macht das Heft schwer zugänglich, sollte aber keine Wiederverkaufsgeschichte daraus machen. Die Namen und Texte im Inneren sind bedeutender als die Auflagenzahl.
Unser Urteil: Ausgabe fünf verdient Berichterstattung, weil ein kommerzielles Pride-Projekt eine vielstimmige, von den Beteiligten mitverfasste Form erhält. Seine Schwäche ist der Zugang. Eine Publikation, die wichtige queere Pressegeschichte aufruft, gewönne durch dauerhafte digitale Ausgabe oder institutionelle Ablage mehr kulturellen Wert als durch Seltenheit auf vier Designbuchtheken.
- Die erste Verteilung umfasste vier Läden in vier verschiedenen Städten.
- Redaktionelle Schwäche: 500 Exemplare begrenzen den Zugang zur Arbeit der Beteiligten.
Häufig gestellte Fragen
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